
Eine schöne Idee von unseren Nachbarn.
2. Ordnung gegen Alkohol – das Ziel hinter dem Plan

Der Auslöser für dieses Modell war ein zunehmendes Problem mit alkoholkranken Obdachlosen, die in Parks für Störungen, Müll und Konflikte sorgten. Statt sie ständig mit Polizei oder Bußgeldern zu konfrontieren, entwickelte die Stadt einen Ansatz, der auf Integration statt Bestrafung setzt.
Die Idee: Wenn die Betroffenen eine sinnvolle Aufgabe bekommen, einen Rhythmus und eine gewisse Anerkennung, dann reduziert sich das destruktive Verhalten. Der Alkoholkonsum wird dabei nicht verdrängt, sondern kontrolliert eingebaut. Das Projekt nimmt damit eine radikale Haltung ein: Lieber strukturierter Konsum als unkontrollierte Verwahrlosung. Kritiker werfen vor, man „befeuere die Sucht“, doch Befürworter sehen es als letztes Auffangnetz für Menschen, die jede andere Hilfe ablehnen würden.
3. Bier als Währung: Zwischen Realität und Reaktion

Fünf Dosen Bier pro Schicht – diese Zahl sorgt für den größten Aufschrei. Viele fragen sich: Kann das ernst gemeint sein? Alkohol als Bezahlung – das wirkt auf den ersten Blick wie ein Rückschritt, wie ein gesellschaftlicher Offenbarungseid.
Doch im Detail sieht die Realität anders aus. Die Alkoholmenge wird über den Tag verteilt ausgegeben, der Konsum beobachtet, der Pegel kontrolliert gehalten. Das Ziel ist nicht Abstinenz, sondern Vermeidung von Eskalation. Die Teilnehmer erhalten zudem Tabak und einen kleinen Geldbetrag, mit dem sie sich selbst versorgen – oder, wie einige ehrlich sagen, weiteres Bier kaufen. Hier wird das Dilemma offensichtlich: Das Projekt lindert Symptome, aber es heilt nicht. Dennoch gelingt es, den öffentlichen Raum ruhiger und sauberer zu halten. Ist das ein Erfolg – oder nur ein moralischer Kompromiss
4. Die tägliche Routine: Struktur als Therapie?

Der Arbeitstag beginnt um 9 Uhr und endet gegen 15:30. Das klingt nach einem ganz normalen Job – und genau darin liegt ein zentraler Punkt des Projekts. Viele der Beteiligten erleben durch diese Regelmäßigkeit zum ersten Mal seit Langem wieder Struktur.
Sie bekommen Aufgaben, treffen auf Mitmenschen, arbeiten im Team. Für Menschen, die oft jahrelang am Rand der Gesellschaft standen, ist das mehr als eine Kleinigkeit. Die Teilnahme ist freiwillig, aber die Plätze sind begrenzt – wer mitmachen will, muss sich an Regeln halten. Die Organisatoren berichten, dass dadurch Verantwortungsgefühl und Selbstwertgefühl wieder wachsen können. Auch wenn der Alkohol nicht verschwindet – die Isolation wird durchbrochen. Und genau das könnte der erste Schritt aus der totalen Perspektivlosigkeit sein.
5. Zwischen Hoffnung und Rückfall: Was bringt’s wirklich?

Natürlich stellt sich die Frage: Verändert das Leben der Betroffenen sich langfristig? Die Antwort ist zwiespältig. Einige Teilnehmer berichten, dass sie durch das Projekt wieder eine Tagesstruktur und Selbstachtung empfinden. Manche schaffen es sogar, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren oder gezielter zu steuern.
Andere wiederum nutzen das verdiente Geld, um nach der Schicht direkt neues Bier zu kaufen – ganz offen, ohne schlechtes Gewissen. Das Projekt ersetzt keine Therapie und will es auch nicht. Es ist ein Versuch, Menschen zu erreichen, die für klassische Programme nicht zugänglich sind. Der Erfolg liegt daher nicht im völligen Wandel, sondern im kleinen Fortschritt: weniger Belästigung, mehr Ordnung, und für manche der erste Schritt in Richtung Stabilität
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