Acht Jahre lang pflegte ich meinen gelähmten Ehemann – als er endlich wieder laufen konnte, überreichte er mir die Scheidungspapiere.

 

Eine Woche nachdem David selbstständig laufen konnte, reichte er mir in der Küche einen Manilaumschlag. Darin befanden sich die bereits unterschriebenen Scheidungspapiere.
Er sagte, er wolle seine Freiheit. Er habe jahrelang von mir abhängig gewesen und wolle nun für sich selbst leben. Als ich ihn an all meine Opfer erinnerte, sagte er, er habe mich nie gebeten zu bleiben – ich hätte mich selbst dafür entschieden.

Dann erzählte er mir die Wahrheit.

Er sagte, ich hätte mich gehen lassen. Dass ich nicht mehr attraktiv sei. Und dass er eine andere Frau getroffen habe.
Die Affäre hatte nicht erst kürzlich begonnen. Sie hatte vor dem Unfall angefangen. Er war auf dem Weg zu ihr gewesen, als er den Unfall hatte.

Acht Jahre lang habe ich mich bis zur Erschöpfung abgerackert, um ihn und unsere Kinder zu versorgen, und dabei unwissentlich seine Affäre finanziert. Er gab zu, Geld von unserem Konto abgehoben zu haben – immer nur kleine Beträge – für Geschenke, Abendessen und Luxusartikel für sie.
Er glaubte, sie habe aus Liebe gewartet. In Wahrheit wartete sie, weil sie dachte, seine Genesung würde sich auszahlen.
Bei der Scheidung kam alles ans Licht. Der Richter sprach mir Unterhalt und das alleinige Sorgerecht zu. David verlor fast alles.
Sechs Monate später verließ ihn die Frau. Seine Genesung verlief nicht vollständig. Er brauchte weiterhin Therapie. Das Leben, das sie sich erträumt hatte, blieb unerfüllt.
Heute lebt David allein – verbittert, mittellos und von seinen Kindern entfremdet.
Und ich?
Ich baue mir ein neues Leben auf – stärker, weiser und endlich frei – im Wissen, dass ich den tiefsten Verrat überlebt und mich wieder aufgerappelt habe.